Teilgebiet Tauber

Der Name Tauber wird auf ein keltisches Wort für (dunkles) Wasser zurück geführt. Der Tauberursprung (Flusskilometer 130+650) liegt bei Weikersholz, ca. 15 km südwestlich von Rothenburg o.d.T., im Landschaftsraum "Hohenloher" und "Haller Ebene" auf einer Höhe von etwa 447 m über Normalnull. Umgrenzt wird das Quellgebiet von den Wassereinzugsgebieten der Jagst (Neckar) im Westen sowie Wörnitz und Altmühl (beide Donau) im Süden und Osten. Nach einer Laufstrecke von 600 m erreicht die Tauber die bayerische Landesgrenze (Regierungsbezirk Mittelfranken, Landkreis Rothenburg o.d.T.). Ab Rothenburg o.d.T. durchfließt die Tauber den Naturraum "Tauberland", der sich nördlich des Hohenloher Landes bis Tauberbischofsheim erstreckt. Auf ihrem Fließweg erreicht die Tauber bei km 91+675 wieder das Landesgebiet von Baden-Württemberg (unterhalb Tauberzell), um bei Flusskilometer 83+300 (unterhalb Creglingen) nochmals bayerisches Gebiet zu durchqueren (unterfränkischer Abschnitt). Ab Flusskilometer 68+775 durchfließt die Tauber nur noch baden-württembergisches Gebiet. Sie fließt im Main-Tauber-Kreis durch die Städte und Gemeinden Weikersheim, Igersheim, Bad Mergentheim, Lauda-Königshofen, Tauberbischofsheim, Werbach und Wertheim.
Insbesondere unterhalb Bad Mergentheim bis Werbach bleibt das Taubertal breit und flach. Mit dem Eintritt in das Gebiet des Buntsandsteines bei Werbach wird das Tal eng, die Talflanken steigen stetig an, die angrenzenden Hänge sind steil (Naturraum "Sandsteinspessart"). Innerhalb die-ses eingeschnittenen Tales verbleibt die Tauber bis Wertheim, wo sie in den Main mündet (bei ca. 136 m über Normalnull).
Einzugsgebiet
Das baden-württembergische Teileinzugsgebiet Main umfasst eine Fläche von 1.633 km² in der 190.000 Einwohner leben (entspricht 116 EW/km²). Es setzt sich aus Teilen der Naturräume Neckar- und Tauber-Gäuplatten, Odenwald, Spessart und Südrhön sowie den Mainfränkischen Platten zusammen. Das Gebiet ist, gemessen an den übrigen süddeutschen Regionen, relativ wasserarm. Es liegt im Übergangsbereich vom ozeanischen zum kontinentalen Klima. Mit Niederschlägen von durchschnittlich 600 - 900 mm zählt es zu den niederschlagsärmeren Gebieten Deutschlands. Bei den Flächennutzungen überwiegt die Landwirtschaft mit 65 %, gefolgt von Wald und naturnahen Flächen mit 32 %. Etwa 3 % der Flächen sind bebaut.
Hochwasser
Seit Menschengedenken werden die Täler im Main-Einzugsgebiet von Hochwasserereignissen heimgesucht. Extreme Hochwasser treten im Taubereinzugsgebiet auf, wenn hohe Niederschläge auf Böden treffen, die bereits wassergesättigt sind oder infolge von Frost kein Wasser aufnehmen können. Schneeschmelzen können den Abfluss noch verschärfen.
In Chroniken wird über außergewöhnliche Wasserstände der Tauber im Jahre 1340, Jan. 1682 (Eisgang) und einem Dutzend Ereignissen im 18. und 19. Jahrhundert. In der jüngeren Vergangenheit können die Hochwasserereignisse vom März 1942, Febr. 1970, März 1988, Dez. 1993 und Okt. 1998 genannt werden.
Die Vorwarnzeiten an der Tauber sind relativ gering. So benötigt der Scheitel der Hochwasserwelle im Hochwasserfall nur wenige Stunden vom Pegel Archshofen nach Bad Mergentheim und erreicht in noch kürzerer Zeitspanne die Stadt Tauberbischofsheim.
Als Folge der vielen Hochwasser wurden verschiedene Untersuchungen und Programme in Gang gesetzt. Einige Beispiele:
- Bei dem Hochwasser am Brehmbach bei Gissigheim entstanden 1984 durch den Bruch eines Erddammes eines Hochwasserrückhaltebeckens Schäden von über 25 Mio. €. Dieses Unglück war letztlich der Anstoß zu dem Sanierungsprogramm für die größeren Rückhaltebecken im Land Baden-Württemberg.
- Tauberuntersuchung - Die hydrologisch-hydraulische Untersuchung der Tauber hat einen erheblichen Bedarf an Hochwasserschutzmaßnahmen an der Tauber aufgezeigt. Zwischen Creglingen und Wertheim sind 12 Maßnahmen erforderlich. Der Kostenaufwand wurde ursprünglich auf rd. 10 Mio. € geschätzt (ohne Wertheim). Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Gesamtkosten über 20 Mio. € betragen werden. Das erste Vorhaben in Creglingen wurde bereits umgesetzt, die Maßnahme Archshofen ist inzwischen im Bau. Mit dem Hochwasserschutz in Weikersheim soll Ende 2006 begonnen werden.
- Stadt Freudenberg a.M. - Die Stadt Freudenberg/Main leidet statistisch alle 2-5 Jahre unter Hochwasser. Die Schäden beim letzten großen Hochwasser 1995 betrugen über 3 Mio. €. Das Hochwasserschutzkonzept sieht Aufschüttungen, Mauern in Kombination mit mobilen Elementen und eine Binnenentwässerung vor. Die Kosten betragen ca. 17 Mio. €. Der I. Bauabschnitt ist abgeschlossen. Mit dem II. und III. BA wurde begonnen.
- Stadt Wertheim a.M. - Die Altstadt von Wertheim a. M. wird ebenfalls sehr häufig - zuletzt 1995, 1998 und 2003 - durch Hochwasser des Main überflutet. Eine Machbarkeitsstudie, die als Schutzmaßnahme feste Mauern und mobile Elemente gegen ein 25-jährliches Hochwasser vorschlägt, ergab voraussichtliche Kosten von 15-17 Mio. €. Die Stadt Wertheim hat sich aus Denkmalschutz- und Städtebaugründen entschieden, diesen technischen Hochwasserschutzteil nicht umzusetzen. Alternativ wurde u.a. ein kommunales Förderprogramm aufgelegt, mit welchem den Eigentümern von rund 530 Gebäuden eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 50% bei Objektschutzmaßnahmen gewährt wird. Diese Kosten teilen sich das Land Baden-Württemberg und dieStadt Wertheim im Verhältnis 2:1.
Im baden-württembergischen Maineinzugsgebiet befinden sich derzeit 18 Hochwasserrückhaltebecken mit Rückhaltevolumen von insgesamt 3,6 Mio. m³.